Reden

Soziale Berufe in Hessen aufwerten – Erzieherinnen verdienen mehr

Rede zur aktuellen Stunde der LINKEN „Soziale Berufe in Hessen aufwerten – Erzieherinnen verdienen mehr“

- es gilt das gesprochene Wort -

Fast ein 25 Jahre ist es her, dass die Berufe im Sozial- und Erziehungsdienst neu bewertet wurden. 2009 ist bei den Tarifverhandlungen lediglich das Schlimmste verhindert, aber keine Verbesserungen erreicht worden. Jetzt wird es Zeit, dass ein neuer Tarifabschluss den bundesweit 750.000 Erzieher und Erzieherinnen, den Sozialpädagoginnen und Pädagogen, den Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern in der Behindertenhilfe endlich den Wert zugesteht, der der Bedeutung ihrer Aufgabe und ihrer Arbeit entspricht.

Die Beschäftigten im Sozial- und Erziehungsdienst erbringen wertvolle und für unsere Gesellschaft unverzichtbare Dienstleistungen. Sie sorgen für die Wahrung und Realisierung der Grundrechte von Kindern, Eltern und Menschen mit besonderem Hilfebedarf.

Seit der letzten tariflichen Neubewertung des Sozial- und Erziehungsdienstes vor fast einem Vierteljahrhundert haben sich die Anforderungen an die Fachkräfte rasant erhöht und die Erwartungen entsprechend zugenommen. Die Bedeutung von Weiterbildungen in diesem Tätigkeitsfeld ist hoch, wird von den Beschäftigten anerkannt und eingelöst und oft genug selbst finanziert.

Erzieherinnen und Erzieher haben heute Expertinnen und Experten für frühkindliche Bildung, aber auch für Erwachsenenbildung in der Zusammenarbeit mit den Eltern zu sein. Sie realisieren in ihren Einrichtungen Inklusion und haben den Auftrag erhalten, das Kindeswohl zu wahren. Aber wie wird es Ihnen gedankt? Immer noch erhalten Berufseinsteigerinnen und –einsteiger ungefähr 2300 Euro brutto und kommen Erzieherinnen und Erzieher kaum über 3200 Euro brutto. Das bedeutet bei den teuren Mieten im Rhein-Main-Gebiet und bei Teilzeitbeschäftigung, die oft genug nicht freiwillig eingegangen wird, dass nicht wenige Erzieherinnen und Erzieher ergänzende Leistungen nach dem Sozialgesetzbuch II beantragen müssen. Und dass nach einer vierjährigen Ausbildung, bei hohem Engagement und hoher Qualität der Arbeit, sie müssen sich von einem Mitarbeiter des Jobcenters noch sagen lassen, dass man sich einen besser bezahlten Job suchen soll.

Das ist doch entwürdigend, sehr geehrte Damen und Herren.
Da wundert es nicht, dass es sich im Sozial- und Erziehungsdienst um die sogenannten Frauenberufe handelt. Dies sind Berufe, die schlechter bezahlt werden, weil vorwiegend Frauen dort arbeiten und ihre gesellschaftliche Bedeutung gering geschätzt werden. In der letzten Woche wurde der Equal-Pay-Day begangen. Inzwischen wird dieser auch vom Sozialministerium wahrgenommen und es wird bedauert, dass Frauen 22 % weniger Lohn erhalten als Männer. Grund dafür ist aber, dass die Arbeitgeber – und das sind hier gerade die öffentlichen – nicht mehr Geld und nicht mehr Wertigkeit den sozialen Berufen zugestehen.

Alle diese pädagogischen und sozialen Berufe sind aber ein großer Teil des Kitts, der diese Gesellschaft zusammenhält. Sie müssen die sozialen Ausgrenzungen aufgrund von Armut, ethnischer Diskriminierung und Beeinträchtigung ausgleichen. Sie sind diejenigen, die dafür sorgen, dass große Teile der Bevölkerung nicht völlig von der gesellschaftlichen Entwicklung abgehängt werden. Sie erfinden ihre Arbeit ständig neu und überlegen, mit wie wenigen finanziellen Mitteln sie doch noch ein Projekt auf die Beine stellen können. Sie haben mehr verdient.

All diesen Anforderungen werden die Eingruppierung und damit die Bezahlung der Beschäftigten im Sozial- und Erziehungsdienst nicht gerecht. Viele Beschäftigten müssen Nebenjobs ausüben, um über die Runden zu kommen. Bei vielen Teilzeitbeschäftigten ist Altersarmut vorprogrammiert. Das ist ein für die Betroffenen und unsere Gesellschaft unhaltbarer Zustand. Gleichzeitig verschärft sich dadurch der Fachkräftemangel. Viele Kommunen sind schon jetzt gezwungen, übertariflich zu bezahlen, um ihre Stellen besetzen zu können.

Natürlich sehen wir auch die Probleme der Kommunen mit einer völlig unterfinanzierten Kinderbetreuung. Wenn bereits kleine Kommunen jedes Jahr eine Million Euro für die Kindertagesstätten aus eigenen Mitteln einsetzen müssen, dann sind die finanziellen Mittel des Landes für die Kinderbetreuung eindeutig zu gering. Aber auch der Bund kann sich aus der Verantwortung nicht heraus stehlen.

Hier ist die Landesregierung gefordert die Kommunen besser auszustatten, so dass diese ihre Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter besser bezahlen können.

Sehr geehrte Kolleginnen und Kollegen, ich bitte Sie aber alle: unterstützen Sie die Forderungen der Kolleginnen und Kollegen aus dem Sozial- und Erziehungsdienst. Solidarisieren Sie sich bei den Warnstreiks! Erklären Sie den Eltern, warum die Streiks notwendig sind! Zeigen Sie den Kolleginnen und Kollegen, dass sie eine wichtige und verantwortungsvolle Arbeit machen, die anständig bezahlt werden muss.