Mehr Personal für die Pflege

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Foto: Michael Breyer

In den Krankenhäusern herrscht Pflegenotstand – nach den Berechnungen von ver.di fehlen über 11.000 Stellen in Hessen im nichtärztlichen Bereich. Immer weniger Beschäftigte müssen immer mehr Patientinnen und Patienten in immer kürzerer Zeit versorgen.

Die Folgen: fehlende Zuwendung, Mängel bei der Hygiene und auch mehr Unfälle und vermeidbare Todesfälle. Personalmangel im Krankenhaus gefährdet die Gesundheit der Patientinnen und Patienten.

Personalmangel gefährdet aber auch die Gesundheit der Pflegekräfte und der anderen Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter im Krankenhaus. Gute Pflege soll ein verbindliches Recht aller werden. Auch in der Altenpflege ist die Lage kritisch. 2016 fehlten nach Angabe der Arbeitgeber in Hessen 2.600 Pflegekräfte in der ambulanten und stationären Langzeitpflege. Der Personalmangel hängt mit geringer Bezahlung und hoher Arbeitsbelastung zusammen. Viele Pflegekräfte verlassen den Beruf oder arbeiten Teilzeit, weil sie sonst selbst krank werden. Wir wollen ein Verständnis von Qualität, das sich nicht an betriebswirtschaftlichen Kriterien orientiert.

Die Arbeitssituation der Pflegenden und der tatsächliche Betreuungsbedarf der zu Pflegenden muss in den Mittelpunkt gestellt werden. Wir brauchen mehr Pflegekräfte im Krankenhaus und in der Altenpflege. Dafür müssen die Arbeitsbedingungen verbessert werden, damit die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter entsprechend der fachlichen Standards arbeiten können und dabei gesund bleiben. Alle Aufwendungen für medizinisch sinnvolle und ethisch vertretbare, der Heilung oder gesundheitlichen Besserung der Patientinnen und Patienten dienliche Maßnahmen sollen dem Krankenhaus vergütet werden. Wir brauchen gesetzliche Personalbemessung im Krankenhaus und bessere Standards in der Altenpflege.

DAS WILL DIE LINKE. IM HESSISCHEN LANDTAG

1. Personalbemessung
Um den Personalnotstand zu bekämpfen brauchen wir verbindliche bundesweite Vorgaben, wie viele Pflegekräfte für wie viele Patientinnen und Patienten vorhanden sein müssen. Niemand darf alleine auf einer Station oder einem Pflegebereich arbeiten, in der Intensivpflege kann eine Pflegekraft höchstens zwei Patientinnen oder Patienten versorgen.

2. Entlohnung
Der Pflegemindestlohn muss sofort auf 14,50 Euro erhöht und Tarifverträge müssen flächendeckend Standard werden. Gewerkschaften brauchen die Möglichkeit, auch in kirchlichen Einrichtungen Tarifverträge abzuschließen. Der §118 im Betriebsverfassungsgesetz zu Ausnahmeregelungen für Religionsgemeinschaften und Tendenzbetriebe muss gestrichen werden. Keine Pflegefachkraft darf in Vollzeit weniger als 3.000 Euro verdienen.

3. Gute Aus-, Fort- und Weiterbildung
Wir fordern eine bessere finanzielle und personelle Unterstützung von Krankenpflege- und Altenpflegeschulen. Auszubildende benötigen eine intensive Vorbereitung auf ihr späteres Berufsleben. Die Zusammenlegung der Pflegeberufe bringt mehr Probleme als sie löst. Die Altenpflegeausbildung braucht mehr Unterstützung, um sich auf die Neuordnung der Pflegeberufe einzustellen.

4. Bessere Arbeitsbedingungen
Wir fordern ein familienfreundliches und flexibles Schichtmodell, ein gutes Vertretungssystem im Krankheitsfalle und mehr gesundheitsfördernde Maßnahmen für Pflegende.

5. Pausen und Ruhezeiten
Gesetzliche Vorgaben müssen endlich eingehalten werden, auch in der Nacht. Ruhezeiten zwischen den Schichten sind enorm wichtig für die Konzentrationsfähigkeit am Arbeitsplatz. Es muss genug Personal geben, damit niemand aus seiner Freizeit geholt werden muss.

6. Überlastungsanzeigen ernst nehmen
Überlastungsanzeigen müssen landesweit erfasst, regelmäßig ausgewertet und daraus folgende Verbesserungen vorgenommen werden. Nur so können wir Überlastungen von Pflegenden effektiv verringern.

7. Keine Privatisierungen
Weitere Privatisierungen müssen verhindert und bereits privatisierte Krankenhäuser und Pflegeeinrichtungen in nicht profitorientierte Trägerschaft überführt werden. Der Betrieb von Krankenhäusern und Altenpfl egeeinrichtungen mit dem Ziel der Gewinnmaximierung und Kapitalrendite muss gesetzlich ausgeschlossen werden. Auf Kosten der Beschäftigten und pfl egebedürftigen sowie kranken Menschen dürfen keine Gewinne gemacht werden.

8. Häusliche Pflege unterstützen
Wir wollen die Familien entlasten: Pflegeleistungen sollen von einer Pflegevollversicherung finanziert werden. Das bietet mehr finanzielle Möglichkeiten, um in der häuslichen Umgebung gepflegt zu werden und auf professionelle Pflege zurückzugreifen. Pflegende Angehörige brauchen umfangreiche Entlastungsmöglichkeiten – von der Freistellung im Beruf bis zu flächendeckenden Angeboten der ambulanten und Tagespflege sowie von Demenzwohngemeinschaften. Sie brauchen fachliche und persönliche Unterstützung.

... um das fi nanzieren zu können, benötigen wir eine solidarische Gesundheitsversicherung
Alle zahlen nach ihrem tatsächlichen und vollständigen Einkommen in die Kranken- und Pflegeversicherung ein. So werden auch höhere Einkommen gerecht belastet und der Beitragssatz kann dauerhaft gesenkt werden. Auf dieser Grundlage ist es möglich bessere Versorgungsleistungen für alle zu finanzieren.

  

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Flyer: Mehr Personal für die Pflege
Datum 2018-06-14 Dateigröße 1.68 MB Download 32 Download